Kaffeepreis – Wie setzt er sich eigentlich zusammen?

Obwohl die meisten Menschen jeden Morgen genüsslich mit einer Tasse Kaffee in den Tag starten, wissen viele gar nicht, wie sich der Kaffeepreis des Lieblingsgetränks der Deutschen eigentlich zusammensetzt. Wie groß ist der Anteil, der im Verbraucherland (wie bspw. Deutschland) bleibt und wie viel bekommen eigentlich die Erzeugerländer? Ist der Anteil fair verteilt oder profitiert Deutschland mehr? Und wer ist eigentlich von wem abhängig? Bestimmen die Kaffeebauern die Preisentwicklung oder sind sie abhängig von dem Geschehen in den Verbraucherländern? Welche Unterschiede gibt es bei den Kaffeepreisen und worauf sollte man beim Kauf von Kaffeebohnen achten? 

All diesen Fragen wollen wir in diesem Beitrag auf den Grund gehen und euch Antworten darauf liefern, wie sich der Kaffeepreis eigentlich zusammensetzt. 

Wie viel vom Kaffeepreis bleibt im Erzeugerland? 

Laut einer veröffentlichten Studie von Statista setzt sich der Kaffeepreis aus verschiedenen Komponenten zusammen. Dazu gehören: 

  1. Steuern, Zölle und Frachtkosten (44,9%)
  2. Einzelhandel (23,7%)
  3. Händler und Röster (17,8%)
  4. Plantagenbesitzer (8,5%)
  5. Löhne der Arbeiter*innen (5,1%)

Den mit Abstand größten Anteil am Kaffeepreis nehmen mit fast 45% die Steuern, Zölle und Frachtkosten ein. Am Ende der Kette stehen die Löhne der Arbeiter*innen auf den Kaffeefarmen, die nur etwa 5% des Kaffeepreises ausmachen. 

Daraus kann geschlussfolgert werden, dass bei herkömmlichem Kaffee mindestens 86% des Preises, den wir für unseren Kaffee bezahlen, in unserem Land verbleiben und nur 14% in den Anbauländern verdient wird. 

Folglich kann die Frage, ob die Anteile fair verteilt sind, mit einem klaren Nein beantwortet werden. Die Erzeugerländer profitieren schon alleine dadurch deutlich mehr, dass über 80% des Kaffeepreises innerhalb des Verbraucherlandes bleibt. 

Wer ist von wem abhängig? 

Letztendlich bestimmt der Weltmarkt die Preisentwicklung, weshalb das Einkommen von Kaffeebauern von eben dieser Preisentwicklung abhängt. Das bedeutet, dass bei einem Preisfall das Einkommen eines Kaffeebauern unmittelbar sinkt. Wir als Verbraucher*innen hingegen kriegen den Preisfall nicht sofort zu spüren: Die verarbeitende Kaffeeindustrie und die Einzelhändler streichen die zusätzlichen Gewinne in den Importländern ein.

Steigt der Kaffeepreis wiederum an, erreicht es uns als Verbraucher*in umgehend. Gleiches gilt (zum Glück) auch für die Kaffeebauern. Dennoch sind und bleiben Kaffeebauern eindeutig abhängig von der Preisentwicklung auf dem Weltmarkt und müssen sich diesem zwangsläufig anpassen, um langfristig konkurrenzfähig zu bleiben. Einen tollen Ansatz liefert hier unsere Freunde von AGATA.

Ferner liegt die Kaffeeindustrie weltweit in den Händen von nur wenigen multinationalen Unternehmen – dieses Monopol verhindert darüber hinaus den freien Wettbewerb sowohl in den Konsum- als auch in den Exportländern. 

Wie wird dem entgegengewirkt? 

Es gibt bereits einige Systeme, die sich für eine faire Kaffeepreis-Verteilung einsetzen. Darunter beispielsweise Fair Trade. Fair Trade hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Teil des Gewinns zugunsten der Produzenten umzuverteilen. So bewundernswert und lobenswert dieser Ansatz auch ist, letztendlich verläuft sich der Anteil des Fair Trades am gesamten Handel auf lediglich 1%. Dennoch sind solche Projekte wichtig, um zukünftig eine faire Preisverteilung gewährleisten zu können und damit der Ausbeutung von Kaffeebauern endlich ein Ende zu setzen. 

Der deutsche Staat verdient gleich zwei Mal daran, wenn wir als Verbraucher*in Kaffee kaufen: Kaffeesteuer (2,19€ pro kg gerösteten Kaffee) und Mehrwertsteuer. Folglich wäre es wünschenswert, wenn einer der beiden Teile vom deutschen Staat zurück in die Entwicklungsländer gegeben wird. Die Menschen dort könnten das Geld für den Ausbau der Infrastruktur, die Fortbildung der Bauern oder die Bildung/Gesundheit ihrer Kinder investieren.

Beitrag von Liis Elter

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